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Immobilienrausch am Goldstrand

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Immobilienrausch am Goldstrand

Immobilienrausch am Goldstrand

Britische und russische Spekulanten treiben die Preise von Ferienhäusern in Bulgarien - Günstige Objekte finden sich im Hinterland
Varna - Slatni Pjassazi nennen die Bulgaren den Küstenabschnitt nördlich der Hafenstadt Varna: Goldstrand. Und nie war dieser Name so treffend wie heute. Seit die Briten das Land am Schwarzen Meer als Urlaubs- und Anlageziel entdeckt haben, schießen die Preise von Ferienimmobilien in die Höhe. Von einem Goldrausch schreiben englische Journalisten, die sich an die Boomphase Mallorcas in den 90er Jahren erinnert fühlen.

Am 1. September 2002 hatte der bulgarische Immobilienverband seinen Immobilienindex REMI aufgelegt. Mit einem Basiswert von 100 Punkten. Im Juli vergangenen Jahres notierte der REMI bereits bei 139,8 Zählern. Inzwischen sind es mehr als 145 Punkte. Dabei zeichnet der nationale Index den Preisanstieg in den Urlaubsregionen nur unzureichend nach. Denn in Sofia und den übrigen großen Städten im Inland wie Pleven, Plodiv und Stara Zagora sind die Immobilienwerte bei weitem nicht so kräftig in die Höhe geschossen, wie in den Küstenregionen und Wintersportgebieten des Balkans.

Stolze 70 000 Euro werden inzwischen für nur 60 qm große neue Apartments mit Meerblick verlangt. In besonders luxuriösen Resorts, deren Ferienwohnungen fast ausschließlich in Großbritannien angeboten werden, betragen die Quadratmeterpreise bis zu 1300 Euro. Dafür residieren die Käufer in Anlagen, deren Name fast vergessen macht, daß die imperialen Zeiten längst vorüber sind: Imperial Fort Club, Crown Fort Club und Fort Beach heißen die jüngsten Komplexe, die britische Developer bei Nessebar, Varna und St. Vlas errichten. Es sind Bauwerke in moderner Stahl- und Glasarchitektur, die wie Leuchtfeuer der neuen Epoche aus dem Grau der Plattenbauten-Hotels der sozialistischen Ära heraus ragen.

Was Engländer lockt, ist oftmals pures Spekulationsfieber. Sie setzen darauf, daß die Preise von Ferienimmobilien im Balkanland eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie in Portugal und Spanien. Inzwischen sind auch vermögende Russen auf das Spekulationskarussell aufgesprungen. Die Millionäre aus Moskau und St. Petersburg hoffen, daß der eigentliche Boom erst noch bevorsteht: Bulgarien wird voraussichtlich am 1. Januar 2007 der EU beitreten. Bis dahin, meint George Konstatinov, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Sofia-Direkt, dürften die Preise für Ferienimmobilien weiter anziehen: "Je näher der Beitrittstermin rückt, desto größer wird das Interesse werden."

Ähnlich argumentiert Sofia Jankulowa von der Network Ltd., die bulgarische Immobilien in Großbritannien und Deutschland anbietet: "Das Wertsteigerungspotential ist weiterhin beachtlich." Wenn Bulgarien erst der Union beigetreten ist, dürften auch vorsichtige Immobilieninteressenten zuschlagen. Denn gerade für ältere Menschen, die ihren Lebensabend an einem preiswerten Ort verbringen wollen, sei das Schwarzmeer-Land attraktiv. Strom und Wasser sind um bis 77 Prozent günstiger als in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten insgesamt liegen derzeit rund 35 Prozent unter hiesigem Niveau.

Trotz des Booms lassen sich noch preiswerte Objekte finden. In kleinen Dörfern rund um die großen Urlaubsorte werden freistehende Häuser und Apartments noch zu Preisen zwischen 300 und 800 Euro/qm angeboten. Weiter im Hinterland wird es noch günstiger. Doch dort droht ein Fallstrick: Ausländer dürfen zwar nach den derzeit geltenden Gesetzen Immobilien von Privat erwerben. In diesem Fall werden sie aber nicht Eigentümers des Grundstücks, auf dem sich das Objekt befindet. Anders ist die Situation, wenn erst eine ausländische Gesellschaft Grund und Boden erwirbt, entwickelt und dann Apartments oder Ferienhäuser an die ebenfalls aus dem Ausland stammenden Endnutzer verkauft. Erlassen wurde das Gesetz, wen wundert es, auf Druck britischer Developer, die sich so die Kontrolle über den Ferienimmobilienmarkt gesichert haben.
Der Kaufpreis ist direkt nach Unterzeichnung des Kaufvertrags beim Notar zu zahlen. Die Kosten für Grunderwerbssteuer, Notargebühren und Grundbucheintragung belaufen sich auf rund 3,5 Prozent des Kaufpreises. Der Verkäufer muß seine Einnahmen gesondert versteuern. Deshalb ist es im Land üblich, den offiziellen Preis im Kaufvertrag niedriger als die tatsächlich gezahlte Summe anzusetzen. Der Käufer geht dabei ein Risiko ein: Sollte er den Kauf rückgängig machen wollen, hat er nur einen Anspruch auf die vertraglich festgesetzte Summe.
Quelle: http://www.welt.de/data/2005/06/04/726939.html

(27.04.2006)
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